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Hessen-Meister Bad Homburg steigt in Oberliga auf

Mit einem unerwartet zähen Kampf hat der Schachklub Bad Homburg im Abschluss-Spiel gegen den SK Gießen den Meistertitel der Hessenliga, Covid-Saison 2019/21 geschafft und steigt knapp aber glücklich in die Oberliga, der dritthöchsten Liga in Deutschland, auf.

Das ist der größte Team-Erfolg des Vereins seit einem Höhenflug im Jahr 1978, als freilich die Ligastruktur noch kompakter war, und dem Hessenliga-Aufstieg in der Saison 2008/09 - also nach 11 Jahren durchgängiger Hessenliga-Zugehörigkeit!

Ein Großteil der Meister-Mannschaft: Egon Merkle, Richard Kaiser, Behrang Sadeghi, Walter Schmidt, Ralf Dunsbach, Jonas Lenz, Alex Haucke, Ralf Nagelsdiek. Leider nicht auf dem Bild: Erwin Kaliski, Ramat Faqiry, Manfred Kroth, Manfred Kühlmeyer und Helmut Heiming, die diese Saison ebenfalls Einsätze hatten.

Zum Spieltag:
Nach dem großartigen (und zugegeben glücklichen) Sieg gegen Titelaspirant SV Hofheim II schien der Abschluss-Gegner aus Gießen, für den es um nichts mehr ging, leichtere Kost zu sein - und ein 4:4 würde praktisch sicher zur Meisterschaft genügen.

Die Gäste traten sogar zu siebt an und bescherten Bad Homburg gleich einen kampflosen Punkt. Rasch wurden in noch weiteren 4 Partien der Punkt ausgangs der Eröffnungsphase geteilt, so dass Bad Homburg mit 3:2 scheinbar dem nötigen Punkt entgegen segelte und seitens der arbeitslosen Kiebitzen mit baldigem Abschluss aller Partien gerechnet wurde.

Aber weit gefehlt: an diesen drei Brettern waren die Gießener kampfeswillig unterwegs und lehnten alle Remisangebote ab. Zugegeben: ein sehr vorbildlicher und lobenswerter Einsatz. Und leider ein Szenario, dass die Bad Homburger gar nicht so richtig auf der Rechnung gehabt hatten.

Es kam wie immer mehr befürchtet: nach 2-3 Stunden zeichnete sich ab, dass es noch 2 Niederlagen hageln und aus dem Vorsprung ein Rückstand werden würde. Die sicher geglaubte Meisterschaft war in Gefahr geraten (wobei natürlich keiner weiß, wie die Kurzremisen sonst weiter gegangen wären...)

Richard Kaiser, hier noch entspannt in der Eröffnungsphase, holte, wie übrigens schon ziemlich oft, die Kohlen aus dem Feuer. Sogar gleich zweimal!

Matchwinner - Saison-Held! - wurde Richard Kaiser, der glücklicherweise inzwischen die Oberhand hatte. Aber es wurde ein Drama:

Im Diagramm konnte er seinen Gegner mit 30. ... De3+ 31. Kh1 Dd3! austricksen: die tragikomisch aufgestellten Figuren auf der Grundreihe können nicht alle gerettet werden!

Das sah zunächst wie der sichere Sieg aus, aber sein Gegner fing naturgemäß an, wild zu strampeln, um die Zeitnot Richards auszunutzen.

Im zweiten Diagramm gelang tatsächlich der Gegenschlag: 35. ... exf5? 36. e6!, und angesichts des hängenden Tb8 war wieder alles offen.

Aber Richard behielt die Nerven und fand das sichere 36. ... Dxe6! 37. Dxb8+ Kh7, was leichten Vorteil versprach.

Und den konnte er in einen Sieg zum 4:4 ummünzen: Im letzten Diagramm folgte die genau berechnete Entscheidung: 53. ... bxa5 54. b5 a4! 55. Db4?! Txf3! mit nun wirklich entscheidender Gewinnstellung!

Ein Sieg zum erlösenden 4:4, dem alle Mitspieler natürlich bis zum Schluss beigewohnt hatten.

Die Einzelergebnisse:

SK Bad Homburg SK Gießen 3,5-4,5
FM Sadeghi, Behrang 2100 FM Derichs, Roger 2269 ½-½
Schmidt, Walter 2191 Rudolph, Peter 2072 +/-
FM Dunsbach, Ralf, Dr. 2145 Eckhardt, Thorsten 1997 ½-½
Lenz, Jonas 2089 Konrad, Lutz, Dr. 2054 ½-½
Kaiser, Richard 2088 Bahlo, Jens 1874 1-0
Nagelsdiek, Ralf 1979 Sunder, Thomas 2140 0-1
Faqiry, Ramat 1928 Burkhardt, Holger 1952 0-1
Haucke, Alexander 2140 Gerber, Peter 1986 ½-½

Ausblick:
Die Herausforderung Oberliga wird die nächsten Wochen prägen. Insbesondere fehlt Bad Homburg an den vorderen Brettern das (Amateur-)Personal, um in der Liga halbwegs bestehen zu können. Interessierte Spieler sind gerne willkommen und finden in der Kurstadt sicher motivierte Mannschaften, vorbildliche Organisationsstrukturen, vielfältige Vereinsturniere und ein zukunftsfähiges Jugendprogramm vor.

Es stehen also wirklich interessante und Herausforderungen bevor! Packen wir es an!

Denn übrigens ist ja nicht nur die erste Mannschaft aufgestiegen. Auch die zweite Mannschaft ist in die Landesklasse zurückgekehrt, was auf dieser Webseite durch den coronabedingten Abbruch der Saison noch keine Erwähnung fand.