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Hessenliga: verpasster Sieg gegen Spitzenreiter Marburg

Bad Homburg hat es nicht geschafft - aber es war knapp! Mit einem dramatischen 3,5:4,5 gegen den Topfavoriten SK Marburg 1931/72 e.V. unterlag die Kurstädter Hessenliga-Mannschaft im Spitzenspiel.

Beide Teams waren sich der Bedeutung des Kampfes bewusst und traten in Meldebesetzung an. In sehr freundlicher, aber sportlich angespannter Stimmung schien zunächst eher Bad Homburg das die besseren Karten zu haben, denn deutlichen Vorteilen standen meist nur leichte Nachteile oder völlig unklare Stellungen an anderen Brettern gegenüber.

Die ersten Paukenschläge fielen dann an den hinteren Weißbrettern - und zwar zugunsten von Bad Homburg: Ingo Hanemann hatte seinen Gegner bereits nach 2 Stunden im Franzosen schwindelig gespielt und mit einem Mattangriff zur Aufgabe gezwungen.

Auch bei Mannschaftsführer Dirk Schneider dauerte es nicht mehr lange. In der Diagrammstellung führte der Durchbruch 20. d5! c5 21. dxe6 fxe6 22. Db3 zu großem Vorteil und nach 22. ... fxg4 23. Tad1 Ld6 24. f5! nebst Lf4 war es schon vorbei.


Mannschaftsführer Dirk Schneider holte einen raschen Punkt und gehört mit 4/6 zu den Leistungsträgern der Mannschaft.

Leider sollten das die letzten beiden vollen Punkte gewesen sein. Denn Ralf Dunsbach musste gegen FM Horst Alber einsehen, dass er trotz eines Springeropfers für drei Freibauern, einer davon auf b7, nicht würde gewinnen können. Und Manfred Kroth verdarb noch vor der Zeitkontrolle seine ehemals gute Stellung und verlor. So driftete das Spiel beim Stand von 2½:1½ in die Zeitnotphase.

Walter Schmidt und Egon Merkle konnten in dieser Phase ihre Turmendspiele remisträchtig gestalten, so dass beim absehbaren Stand von 3½:2½ alles an den beiden Brettern von Ryhor Isserman und Richard Kaiser hing. Und hier lief gefühlt einiges schief, auch wenn die schnelle Computeranalyse zeigt, dass Marburg an keinem Brett ernsthaft schlechter stand. "Computer" ist das Stichwort, diese Stellungen sind nicht für Menschen gemacht:

Nichts für zeitnotgeplagte Gehirne: Beide Bretter brannten lichterloh!

In der Partie Feldtmann-Isserman (linkes Diagramm) hatte Schwarz bereits bessere Chancen ausgelassen und zuletzt mit dem naheliegenden 37. ... Tf8?? einen Bock geschossen, den Weiß umgehend bestrafte: 38. Dxf8+ und Schwarz gab auf.

Dem rechten Diagramm war ebenfalls ein Überseher von Richard Kaiser (Weiß) vorausgegangen. Der Marburger Mannschaftsführer Duncker behielt die Nerven und vollstreckte: 41. ... f3! 42. f7 Txa1! und übrig blieben nur noch tödliche Drohungen gegen den Bad Homburger König!


Gerade hatte es auf a1 eingeschlagen: Der mustergültige Kämpfer Richard Kaiser weiß, dass er die Partie verlieren wird. Schade!

Damit endete der Kampf nach 4½ Stunden mit einem knappen 4½:3½ für Marburg. Angesichts der deutlich besseren Chancenverwertung war dieser Erfolg zweifellos verdient - auch, wenn Bad Homburg kurz den vergebenen Chancen nachtrauerte.

Dem Traditionsverein aus der Universitätsstadt dürfte damit die Hessenmeisterschaft kaum zu nehmen sein! Herzlichen Glückwunsch und viel Glück in der Oberliga!

Die Einzelergebnisse:

SK Bad Homburg SK Marburg 3,5 - 4,5
FM Ryhor Isserman  2236  Thomas Feldtmann  2219  0 - 1
FM Ralf Dunsbach  2113  FM Horst Alber  2262  ½ - ½
Walter Schmidt  2187  Johannes Dorst  2172  ½ - ½
Richard Kaiser  2089  Joachim Duncker  2132  0 - 1
Egon Merkle  2114  Arnd Schmidt  2098  ½ - ½
Ingo Hanemann  2099  Dieter Starke  2089  1 - 0
Manfred Kroth  1997  Dieter Prange  2004  0 - 1
Dirk Schneider  1985  Alfred Debus  2068  1 - 0