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Hessenliga: Offenbach war kein gutes Pflaster

Es ist nicht einfach, über das Hessenliga-Spiel gegen die VSG Offenbach neutral zu berichten. Ein bitteres Ende mischte dem ansonsten in angenehmer Atmosphäre stattfindenden Mannschaftskampf eine fragwürdige Note bei, und der Schachklub Bad Homburg lässt derzeit ein Einzelergebnis bei der Turnierleitung überprüfen.

Aber hier zum Bericht:

Beide Teams hatten im Vorfeld mit Aufstellungsproblemen zu kämpfen und traten mit je 2 Ersatzleuten an, was sich dann auch wieder ausglich.

Auftakt in Offenbach. An Brett 7 spielt Robert Neubauer, der im Vorfeld die Hoffnung geäußert hatte, nach seinen Erfahrungen nicht schon wieder gegen das Offenbacher Jungtalent Dominik Laux (Brett 8) spielen zu müssen.

Es gab an diesem Tag keine Kurzremisen, so dass erst in der vierten Spielstunde die ersten Punkte abfielen. Walter Schmidt, Alexander Haucke und Jugendleiter Jan Goetz (gegen den oben erwähnten Dominik Laux) hatten mit Schwarz bequem ausgeglichen, aber mehr war jeweils nicht drin.

Just in diesem Augenblick drehte sich die Bewertung am Brett von Mannschaftsführer Manfred Kroth um fast 180 Grad: Ein schlimmer Patzer seines Gegners stellte einen ganzen Turm ein und brachte die 2½:1½ Führung für Bad Homburg - aus 4 Schwarzbrettern, wohlgemerkt.

Die Weißbretter der Kurstädter waren allesamt sehr ehrgeizig vorangegangen - und es kam jetzt zu 3 weiteren Wendungen: Egon Merkle war mit einem anspruchsvollen Qualitätsopfer auf Position in den Ring gestiegen - und erst weit nach der Partie fand man z.B. in der Diagrammstellung den Gewinnweg 38. e7! Te8 39. Df4 und erstaunlicherweise ist Schwarz hilflos. Leider ging die gut und mutig geführte Partie kurz nach dieser Chance den Bach hinunter. Schade!

Helmut Heiming musste zu dieser Zeit in zunächst guter Stellung einen Bauern geben und kämpfte ab jetzt (noch lange) für eine verlorene Sache. Dafür drehte aber Ersatzmann Robert Neubauer seine Verluststellung: Ein völlig aufgelöster Gegner lief mit Mehrfigur in ein Matt zum glücklichen Zwischenstand von 3½:3½

Helmut Heiming (r.) unter der Beobachtung von Mannschaftsführer Manfred Kroth.


Jetzt hing es an Ralf Dunsbach am Spitzenbrett. Auch er hatte mit Weiß viel riskiert und aggressiv um Vorteil gekämpft, hatte nun aber einen Bauern weniger. Allerdings war klar, dass die Stellung objektiv remis sein sollte, siehe Diagramm nach schon 68 Zügen und über 6 Stunden Spielzeit.

Hier kam es zu fragwürdigen Szenen. Kampfgeist und Siegeswillen in Ehren, aber ob es angemessen ist, diese Stellung noch weitere 62 Züge zu spielen, ohne offenbar Fortschritte zu machen - diese Beurteilung sei dem Leser überlassen. Jedenfalls ging das noch weit über eine Stunde weiter und kam es im Verlauf der Partie kurz vor Inkrafttreten der 50-Züge-Regel sogar zu einer dreimaligen Stellungswiederholung. Die Reklamation lief mangels anwesendem Wettkampfleiter - und in der Erwartung eines ohnehin endlich bald unvermeidlichen Remises - leider ins Leere. Dies ist jetzt der Grund für die eingangs erwähnte Überprüfung durch den Turnierleiter.

Anspannung und Erschöpfung pur. Das war kein schönes Ende eines ansonsten angenehmen Schachnachmittags.

Leider kannte Caissa keine Gnade: Nach über 7 Stunden patzte Ralf im 130. Zug und musste - unter Vorbehalt der Entscheidung des Turnierleiters - in den verlustbedeutenden Damentausch einwilligen - 3½:4½.

Die Einzelergebnisse:

Offenbach Bad Homburg  4,5-3,5 
FM Goreacinic, Dmitri  2238  FM Dunsbach, Ralf, Dr.  2196  1-0 (*)
Jakel, Wolfgang  2193  Schmidt, Walter  2180  ½-½
Patarcic, Domagoj  2187  Merkle, Egon  2088  1-0
Mueller, Thorsten  2033  Haucke, Alexander  2130  ½-½
Roosen, Holger  2032  Heiming, Helmut, Dr.  1906  1-0
Sandten, Ulrich  2075  Kroth, Manfred  1985  0-1
Lützen, Matthias  1790  Neubauer, Robert  1886  0-1
Laux, Dominik  1840  Goetz, Jan  1848  ½-½