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Ryhor Isserman – Schachklub Bad Homburg 9:2

Anders als angekündigt traten nur 11 Spieler aus dem Schachklub Bad Homburg gegen Ryhor Isserman im Simultan an. Wolfram Schneider sprang kurzfristig für einen verletzten Spieler ein und stärkte so die Gegnerschaft noch. Das Bad Homburger Spitzenbrett wünschte sich auch 11x Weiß, um die Partien besser in seinem Sinn gestalten zu können.

Aber der Rest blieb wie angekündigt - und es wurde ein über dreistündiges, vor allem für Isserman anstrengendes Event. Am Ende spielte auch die Bedenkzeit eine große Rolle - es wurde ziemlich hektisch, denn Ryhor hatte für einige Gewinnstellungen nur noch sehr wenig Zeit.

Die Einzelergebnisse in der Reihenfolge der Entscheidung:

Ryhor Isserman   9  Ramat Faqiry  0 
Hellmuth Lebermann    ½ 
Otto Reimer    0 
Kay Latta    0 
Wolfram Schneider    ½ 
Wilfrid Vogel    ½ 
Adrian Cipca    0 
Herbert Farsch    0 
Oliver Annen    ½ 
Frank Hoffmann    0 
Marco Rolf    0 

Nachstehend der Bericht von Paul Lenhart (Fotos: Wilfrid Vogel).


Start frei! Die ersten Züge.

Nach einer guten Stunde Spielzeit stand Ryhor Isserman nur am Brett von Wilfrid Vogel schlechter, und hatte bei Oliver Annen starken Angriff für die Qualität. Lediglich Wolfram Schneider hatte eine ausgeglichen Stellung. Alle anderen mußten der überlegenen Eröffnungsbehandlung Ryhors hinterherlaufen.


Die andere Seite - der Meister spielt gerade links.

Eine halbe Stunde später hatte sich Vogels Vorteil ins Gegenteil verwandelt und Ramat Faqiry, Adrian Cipca und Otto Reimer standen schon hoffnungslos. Bei Faqirys Partie verlor der Meister aber viel Zeit beim Versuch, die Partie knallend (mit 1 bis 2 Turmopfern) zu beenden - entschloß sich dann zu einem stillen Zug, was aber auf keine Gegenliebe stieß: Faqiry beendete die Partie seinerseits mit einem (unbeabsichtigten) Turmopfer umgehend zum ersten Erfolg für Isserman.


Bei einigen Partien, hier bei Ramat Faqiry, investierte Isserman auch mehr Zeit.

Der erste Teilerfolg war Hellmuth Lebermann vergönnt, der im Endspiel seinen Springer gegen genügend Bauern opfern konnte, um eine drohende Niederlage abzuwenden. Unmittelbar danach gab Reimer auf, nachdem neben der geringeren Figurenzahl sich auch noch unsittlich seiner Grundreihe nähernde gegnerische Bauern nachteilig bemerkbar machten.

Mit dem glatten Sieg gegen Kay Latta und dem Remis gegen Wolfram Schneider (der geringe Vorteil Issermans war in der verbleibenden Zeit wohl nicht zu realisieren) waren 2½ Stunden vorbei und an drei Brettern (Cipca, Annen, Farsch) wurde die Zeit für das Bad Homburger Spitzenbrett knapp. Da machte er auch den einzigen groben Schnitzer, gab Vogel das vorher entwendete Material reumütig, aber mit einem Lächeln auf den Lippen zurück und willigte in das dann unvermeidliche Remis ein.


Für Wolfram Schneider setzte er sich auch mal hin.

Kurz vor der dritten Stunde war dann Cipcas Stellung endgültig geknackt und das Augenmerk konnte sich auf die restlichen vier Partien konzentrieren: bei Herbert Farsch war trotz knapper Zeit der Sieg nicht mehr schwer, aber bei Annen war der Vorteil nicht so deutlich, um ihn in der restlichen Zeit zum ganzen Punkt zu verwandeln - das 4. und letzte Remis war die Folge.


Da lacht er noch: Frank Hoffmann samt Fanclub.

Erst jetzt, nach 3 Stunden und 10 Minuten (also nur zehn Minuten vor dem endgültigen Zeitlimit) bekamen die bis dahin fast ausgeglichen spielenden Marco Rolf und Frank Hoffmann die geballte Kraft ihres Gegners zu spüren. Sie hatten selbst viel Zeit verbraucht und waren somit etwas in den Windschatten des von Brett zu Brett hetzenden Isserman geraten. Leichte Vorteile wurden jetzt schnell gravierend und beide mußten wenige Minuten später ihre Partien aufgeben.


Eine der letzten Partien: Marco Rolf mit Minusbauer bei wenigen Minuten Restbedenkzeit.

Damit war eine beeindruckende konditionelle und geistige Leistung gelungen: gegen den "zweiten Anzug" des Schachklubs konnte Ryhor Isserman beim 100-Minuten-Uhrenhandicap ohne Verlust ein 9:2 einfahren, was ihm einen verdienten Applaus und die Bewunderung der Teilnehmer und Kiebitze eintrug. Auch er schien zufrieden, vor allem als er dann endlich die lang ersehnte Zigarette anstecken konnte.


Ein erleichterter und zufriedener Ryhor Isserman nach seinem 9:2 Sieg.

Herzlichen Dank an Ryhor Isserman, dass er diesen Spaß gerne mitgemacht, ja initiiert hat!